Bruno Pezzey
3. Februar 1955, Lauterach · 31. Dezember 1994, Innsbruck
- Meistertitel
- 4
- Länderspiele
- 84
- Bundesligaspiele (DE)
- 255
- Weltmeisterschaften
- 2
- Alter
- 39
In der Saison 1976/77 kassierte Wacker Innsbruck in 36 Spielen 22 Gegentore. Beim Vizemeister Rapid traf Hans Krankl im selben Jahr allein 32-mal. Zwischen dem einen und dem anderen stand ein 22-jähriger Libero aus einem Vorarlberger Dorf, den sie in Deutschland bald den Beckenbauer vom Bodensee nannten.
Ein Dorf, ein Verein
Bruno Pezzey wuchs in Lauterach auf, keine 10.000 Einwohner, im Rheintal zwischen Bregenz und Dornbirn. Beim FC Lauterach begann er zu spielen, mit 18 holte ihn der FC Vorarlberg in die Nationalliga, die damals höchste Spielklasse. Schon in der ersten Saison stand er 28-mal auf dem Platz - ein Achtzehnjähriger als Stammspieler, was auch damals selten war.
Ein Jahr später war er weg. 1974 wechselte er nach Tirol, zu Wacker Innsbruck, das in jenen Jahren unter wechselnden Namen antrat: als Spielgemeinschaft mit Wattens, als SSW Innsbruck, später als Swarovski Tirol. Der Verein war gerade dabei, die Wiener Vorherrschaft zu brechen.
Zwei Meistertitel in drei Jahren
In seiner zweiten Erstligasaison war Pezzey Meister. Innsbruck holte 1974/75 aus 36 Spielen 51 Punkte nach der damaligen Zwei-Punkte-Regel, mit 76:36 Toren und neun Punkten Vorsprung auf VÖEST Linz. Im Cupfinale gegen Sturm Graz kam der zweite Titel dazu, das Double.
Der zweite Meistertitel 1976/77 sagt mehr über den Verteidiger als der erste. Innsbruck gewann mit 53 Punkten, aber die Zahl, die zählt, steht in der Gegentorspalte: 22 in 36 Spielen, im Schnitt 0,6 pro Partie. Rapid, der Zweite, schoss in derselben Saison 72 Tore und stellte mit Krankl den Torschützenkönig - und wurde trotzdem Zweiter, weil vorne weniger zählte als hinten.
| Saison | Meister | Sp. | Tore | Gegentore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1974/75 | Wacker Innsbruck | 36 | 76 | 36 | 51 |
| 1976/77 | Wacker Innsbruck | 36 | 51 | 22 | 53 |
1978 fiel Innsbruck im Europapokal der Landesmeister erst im Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach heraus, an der Auswärtstorregel. Zwei Jahre später sollte dieselbe Regel für Pezzey in die andere Richtung ausschlagen.
Córdoba
Am 7. Juni 1975 debütierte Pezzey gegen die Tschechoslowakei im Nationalteam. Drei Jahre später stand er in Argentinien in jeder Minute jedes Spiels. Österreich überstand als Gruppensieger vor Brasilien, Spanien und Schweden die Vorrunde, und am21. Juni 1978 in Córdoba schlug es den amtierenden Weltmeister Deutschland 3:2. Krankls Treffer in der 88. Minute entschied ein Spiel, das beide Mannschaften nicht weiterbrachte - beide waren ausgeschieden - und das in Österreich trotzdem alles überdauert hat.
Vier Jahre später in Spanien war er wieder dabei, wieder in allen Partien. Platz sieben 1978, Platz acht 1982. Insgesamt kam Pezzey zwischen 1975 und 1990 auf 84 Länderspiele und neun Tore. Bei zwei Weltmeisterschaften bestritt er elf Spiele - dieselbe Zahl wie Friedl Koncilia, Erich Obermayer und Herbert Prohaska, die österreichische Höchstmarke jener Generation.
Frankfurt und die 87. Minute
Der Wechsel nach Frankfurt zog sich. Zunächst hieß es, die Eintracht bringe die Ablöse nicht auf; Pezzey bot an, die Forderung zu senken, und war bereit, notfalls 18 Monate Karenz abzuwarten. Auch Borussia Dortmund meldete Interesse an. Am 1. August 1978 einigte man sich auf 5,8 Millionen Schilling, umgerechnet rund 829.000 Mark.
Zwei Jahre später fiel die Entscheidung, für die ihn Frankfurt bis heute kennt. Im UEFA-Pokal-Halbfinale 1980 hatte die Eintracht das Hinspiel in München 0:2 verloren. Im Rückspiel am 22. April vor 50.000 Zuschauern im Waldstadion traf Pezzey in der 31. Minute zum 1:0 und in der 87. zum 2:0 - der Ausgleich nach Toren, Verlängerung. Dort schoss Harald Karger in der 103. und 107. Minute, Wolfgang Dremmler traf für Bayern, Werner Lorant verwandelte in der 118. einen Elfmeter. Endstand 5:1.
Das Finale gegen Borussia Mönchengladbach ging 2:3 verloren, im Rückspiel gewann Frankfurt 1:0 durch Fred Schaub in der 81. Minute. Es reichte, wieder wegen der Auswärtstore - jener Regel, an der Pezzey zwei Jahre zuvor mit Innsbruck gescheitert war. Der UEFA-Pokal 1980 blieb sein einziger internationaler Titel. 1981 kam der DFB-Pokal dazu, 3:1 im Finale gegen Kaiserslautern.
In fünf Frankfurter Jahren kam er auf 141 Bundesligaspiele und 27 Tore. Für einen Libero ist das eine auffällige Quote, und sie erklärt den Spitznamen, den sie ihm dort gaben.
Zweimal Zweiter
1983 ging Pezzey vom Main an die Weser. Bei Werder Bremen spielte er vier Jahre, 114 Bundesligaspiele, 18 Tore - und wurde zweimal Vizemeister. 1986 entschied die schlechtere Tordifferenz. Zusammen mit Frankfurt stehen 255 Bundesligaspiele und 45 Torein seiner deutschen Bilanz, nachzulesen imDatencenter des DFB.
Eine deutsche Meisterschaft blieb ihm damit versagt. Es ist die auffälligste Lücke in einer Sammlung, die sonst wenig auslässt: vier österreichische Meistertitel, zwei Cupsiege, ein Europapokal, ein DFB-Pokal.
Zurück nach Tirol, unter Happel
Zur Saison 1987/88 kehrte er mit 32 Jahren nach Innsbruck zurück, zum FC Swarovski Tirol. Trainer war Ernst Happel. Was als Ausklang gedacht sein mochte, wurde noch einmal ein Höhepunkt: 1989 das Double aus Meisterschaft und Cup, 1990 der vierte Meistertitel. In der Meistersaison 1988/89 stand Pezzey in 26 Spielen auf dem Platz und traf dreimal.
Im Januar 1990 stürzte er bei einem Hallenturnier in Bad Homburg und verlor das Bewusstsein. Seine Zunge versperrte die Atemwege, er drohte zu ersticken. Ein Masseur rettete ihm das Leben. Nach der Meistersaison 1990 beendete er seine Laufbahn.
31. Dezember 1994
Nach dem Karriereende übernahm Pezzey beim ÖFB die Nachwuchsarbeit und betreute die U21-Auswahl. An Silvester 1994 spielte er in Innsbruck mit einem Firmenteam Eishockey. Kurz vor Schluss fuhr er an die Bande und sagte, er fühle sich müde. Dann brach er zusammen. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Als Ursache wurden eine angeborene Herzanomalie oder eine nicht ausgeheilte Herzmuskelentzündung genannt. Er wurde 39 Jahre alt und hinterließ eine Frau und zwei Töchter.
„Das ist ein schwerer Verlust nicht nur für Österreich, sondern für ganz Europa. Bruno Pezzey war immer ein Vorbild für die Jugend."
Was blieb
1997 stiftete die Spielervereinigung einen Preis für Österreichs Fußballerin und Fußballer des Jahres und benannte ihn nach ihm: den Bruno. Er wird bis heute jährlich vergeben. In Innsbruck erinnert seit seinem Tod jedes Jahr im Dezember ein Gedenkturnier an ihn. In Frankfurt trägt seit dem 23. Jänner 2013 eine der zwölf Säulen der Eintracht im U-Bahnhof Willy-Brandt-Platz sein Abbild.
Zu Lebzeiten reichten die Auszeichnungen weiter, als die Titel vermuten lassen. Am 25. Juni 1979 spielte er für die Weltauswahl der FIFA. Am 7. August 1982 traf er für die Europaauswahl beim 3:2 gegen die Weltauswahl. Von 1979 bis 1982 war er viermal in Folge für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres nominiert, gewonnen hat er sie nie. Er gehört der österreichischen Nationalelf des 20. Jahrhunderts an.
Eine Ankündigung blieb unerfüllt. Nach seinem Tod erklärte die Tiroler Landespolitik, das Tivoli-Stadion in Innsbruck werde nach ihm benannt. Umgesetzt wurde es nie; das Stadion hieß stattdessen nach einem Molkereikonzern. Ein Platz trägt seinen Namen trotzdem, und es ist der, auf dem er angefangen hat: das Bruno-Pezzey-Stadion in Lauterach, Heimstätte des FC Lauterach. In der Saison 2026/27 wird dort Regionalliga gespielt.
Stationen und Zahlen
| Verein | Jahre | Spielklasse | Spiele | Tore |
|---|---|---|---|---|
| FC Lauterach | Jugend | Vorarlberg | - | - |
| FC Vorarlberg | 1973-1974 | Nationalliga | 28 | - |
| Wacker Innsbruck | 1974-1978 | Nationalliga | 129 | 19 |
| Eintracht Frankfurt | 1978-1983 | Bundesliga (DE) | 141 | 27 |
| Werder Bremen | 1983-1987 | Bundesliga (DE) | 114 | 18 |
| FC Swarovski Tirol | 1987-1990 | Bundesliga (AT) | 86 | 6 |
| Nationalmannschaft 1975-1990 | 84 | 9 | ||